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Indoor-Klima im Winter: Temperatur, Luftfeuchte und VPD

Indoor-Klima im Winter: Temperatur, Luftfeuchte und VPD

, 4 min Lesezeit

Kalte Zuluft, trockene Heizungsluft und große Nachtabsenkungen machen den Winter-Grow anspruchsvoll. Welche Werte du anstrebst, was VPD bedeutet und wie du die Box stabil bekommst.

Kurz gesagt: Zielwerte für die Growbox sind rund 22–26 °C am Tag, eine Nachtabsenkung von höchstens 5 bis 6 Grad, und eine relative Luftfeuchte von 60–70 % in der Anzucht, 50–60 % im Wachstum und 45–55 % in der Blüte. Im Winter sind die beiden großen Probleme die zu kalte Zuluft und die zu trockene Raumluft – beides lässt sich mit einfachen Mitteln lösen.

Warum der Winter andere Probleme macht als der Sommer

Im Sommer kämpfst du gegen zu viel Wärme. Im Winter kippt das Bild: Die Abluft zieht kalte, sehr trockene Luft nach, die Heizung senkt die Luftfeuchte zusätzlich, und nachts – wenn die Lampe aus ist – fällt die Temperatur in der Box stark ab. Das Ergebnis sind Pflanzen, die tagsüber gut aussehen und trotzdem kaum wachsen.

Zwei Effekte stecken dahinter. Erstens verlangsamt Kälte die Wurzeltätigkeit; ein Topf, der auf einem kalten Betonboden steht, ist oft mehrere Grad kälter als die Raumluft. Zweitens zwingt sehr trockene Luft die Pflanze zu hoher Transpiration, was bei gleichzeitig kühlem Wurzelraum in Stress endet.

VPD in einem Absatz

VPD (Vapour Pressure Deficit, auf Deutsch Sättigungsdefizit) fasst Temperatur und Luftfeuchte zu einer Zahl zusammen: Sie beschreibt, wie stark die Luft der Pflanze Wasser entzieht. Ein niedriger VPD bedeutet feuchte, „weiche“ Luft – die Pflanze transpiriert kaum und nimmt entsprechend wenig Nährstoffe auf. Ein hoher VPD bedeutet trockene Luft – die Pflanze verliert Wasser schneller, als die Wurzel nachliefern kann, und schließt die Spaltöffnungen.

  • Anzucht und junge Pflanzen: etwa 0,4–0,8 kPa
  • Wachstumsphase: etwa 0,8–1,2 kPa
  • Blütephase: etwa 1,2–1,5 kPa

Du musst VPD nicht rechnen. Wenn du die Temperatur- und Feuchtewerte aus dem ersten Absatz einhältst, liegst du automatisch im richtigen Bereich. VPD ist vor allem dann nützlich, wenn Temperatur und Luftfeuchte einzeln in Ordnung wirken und die Pflanze trotzdem stockt.

Zu kalte Zuluft in den Griff bekommen

  • Zuluft aus dem Raum, nicht von draußen. Eine Growbox, die die Zuluft aus einem beheizten Zimmer nimmt, ist im Winter deutlich stabiler als eine mit Direktanschluss ans Fenster.
  • Abluft drosseln statt abschalten. Ein Drehzahlregler oder eine Steuerung mit Temperatursensor hält den Luftwechsel aufrecht, ohne die Box auszukühlen. Die Abluft ganz auszuschalten ist keine Lösung – dann steigt die Luftfeuchte, und du handelst dir Schimmel ein.
  • Töpfe isolieren. Eine Styroporplatte oder ein Holzbrett unter den Töpfen hält mehrere Grad Wurzeltemperatur – die einfachste und billigste Maßnahme überhaupt.
  • Gießwasser temperieren. Wasser mit 8 °C aus der Leitung bremst die Wurzel für Stunden. Zimmerwarm gießen, also etwa 18 bis 22 °C.

Zu trockene Luft

Heizungsluft fällt in Wohnräumen im Winter regelmäßig unter 40 Prozent relative Feuchte. Für eine Pflanze in der Wachstumsphase ist das zu wenig.

  • Ein kleiner Luftbefeuchter mit Hygrostat in oder direkt neben der Box ist die zuverlässigste Lösung.
  • Eine offene Wasserschale im Luftstrom hilft ein wenig, reicht aber selten aus.
  • Ein Propagator oder eine Haube über jungen Pflanzen schafft lokal die nötige Feuchte, ohne dass du den ganzen Raum befeuchten musst.

Achte auf die Gegenrichtung: In der Blüte darf die Luftfeuchte nicht über 60 Prozent steigen, sonst kippt die Schimmelbilanz. Wer in der Anzucht befeuchtet, muss später wieder abrüsten.

Nachtabsenkung

Eine moderate Absenkung ist normal und sogar erwünscht – aber im Winter wird sie leicht zu groß. Fällt die Temperatur in der Dunkelphase um mehr als sechs Grad, kondensiert Feuchtigkeit an den kältesten Stellen, und genau dort startet Schimmel. Wenn die Box nachts zu stark abkühlt, hilft es, die Lichtphase in die Nachtstunden zu legen: Dann läuft die Lampe genau dann, wenn der Raum am kältesten ist.

Messen statt schätzen

Ein Thermo-Hygrometer mit Min-Max-Speicher kostet wenig und beantwortet die entscheidende Frage: Was passiert in der Box, wenn du nicht hinsiehst? Hänge den Sensor auf Höhe der Blüten, nicht auf den Boden – dort sind die Werte deutlich anders.

Häufige Fragen

Kann ich eine Heizmatte unter die Töpfe legen?

Für die Anzucht ja, mit Thermostat und in Maßen. Für große Töpfe in der Blüte ist sie ungeeignet: Sie trocknet das Substrat von unten aus und erzeugt ein starkes Gefälle im Wurzelraum. Isolieren ist fast immer besser als heizen.

Wie viel Luftwechsel braucht die Box?

Als Faustregel sollte das Luftvolumen der Box mehrmals pro Minute umgewälzt werden können; die konkrete Auslegung ergibt sich aus dem Boxvolumen und dem Widerstand des Aktivkohlefilters. Ein regelbarer Lüfter ist deshalb sinnvoller als ein exakt berechneter fester.

Schadet ein kurzer Kaltluftschwall beim Öffnen der Box?

Nein. Problematisch sind dauerhafte Zustände, nicht kurze Schwankungen. Prüfe die Box ruhig täglich – in der Blüte allerdings nur während der Lichtphase, um die Dunkelperiode nicht zu unterbrechen.

Sind Autoflower-Sorten für den Winter besser geeignet?

Sie sind unempfindlicher gegen Störungen im Lichtrhythmus, weil sie nicht auf die Tageslänge reagieren. Gegen Kälte und trockene Luft sind sie aber genauso empfindlich – das Klima musst du so oder so in den Griff bekommen. Bei der Sortenwahl lohnt trotzdem ein Blick ins Datenblatt: Brain Damage Autoflower und Tropical Cookies Double XL Autoflower sind vom Züchter sowohl für warmes als auch für kaltes Klima angegeben, und die Mighty Amstel Freezeland MAF Fast Version bringt mit der Freezeland-Genetik einen Hintergrund für kühle Bedingungen mit.

Passende Sets mit Zelt, Lampe und Abluft findest du unter Growbox-Komplettsets, Ausgangsmaterial als Hanfstecklinge oder Sämlinge.

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