
Botrytis im Herbst: Schimmel an Blüten vermeiden
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Grauschimmel ist der häufigste Grund für Totalverluste kurz vor der Ernte. Wie Botrytis entsteht, woran du ihn erkennst und welche Maßnahmen im September und Oktober wirklich helfen.
Kurz gesagt: Grauschimmel (Botrytis cinerea) befällt Cannabisblüten von innen und tritt fast immer dann auf, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturen zwischen etwa 15 und 22 °C und stehende Luft in dichten Blüten. Genau das ist das deutsche Oktoberwetter. Vorbeugen funktioniert; ist der Pilz einmal in einer Blüte, hilft nur Entfernen.
Der Befall beginnt im Inneren der Blüte, wo es am feuchtesten und dunkelsten ist. Das erste sichtbare Zeichen ist deshalb meist kein Schimmelrasen, sondern ein einzelnes Blättchen mitten in einer sonst gesunden Blüte, das trocken, gelblich oder braun aussieht und sich ohne Widerstand herausziehen lässt.
Kontrolliere gezielt die dicksten Blüten am Haupttrieb. Kleine, luftige Seitenblüten sind selten zuerst betroffen.
Eine befallene Blüte wird nicht behandelt, sondern entfernt. Schneide großzügig ins gesunde Gewebe hinein – mindestens fünf Zentimeter unterhalb der befallenen Stelle – und arbeite mit einer Tüte oder Schale unter dem Schnitt, damit möglichst wenige Sporen auf die restliche Pflanze fallen.
Stehende Luft in der Blüte ist die Grundvoraussetzung für Botrytis. Outdoor sorgt ein freier, nicht von Hecken oder Wänden eingeschlossener Standort für den nötigen Luftaustausch. Bei Pflanzen im Topf reicht es oft, sie einen halben Meter weiter auseinanderzustellen. Indoor ist ein Umluftventilator, der die Pflanzen leicht bewegt, die günstigste Schimmelversicherung überhaupt.
Regenwasser, das in einer dichten Blüte stehen bleibt, trocknet im Oktober kaum noch ab. Ein einfaches Foliendach oder eine Plane über den Pflanzen – an den Seiten offen, damit die Luft weiter zirkuliert – senkt das Risiko erheblich. Nach einem Schauer die Pflanzen vorsichtig ausschütteln.
Große Fächerblätter, die direkt auf Blüten aufliegen und diese beschatten, dürfen ab der zweiten Blütehälfte entfernt werden. Das verbessert Belüftung und Abtrocknung. Radikales Entlauben ist dagegen kontraproduktiv: Die Blätter versorgen die Blüten weiterhin, und eine gestresste Pflanze ist anfälliger, nicht widerstandsfähiger.
Zu viel Stickstoff in der Blüte erzeugt weiches, wasserreiches Gewebe – genau das, was Botrytis bevorzugt. Ein auf die Blütephase abgestimmter Dünger mit abnehmendem Stickstoff- und höherem Kaliumanteil führt zu festeren Blüten.
Die wirksamste Vorbeugung findet statt, bevor die Pflanze in der Erde ist. Sativa-dominante Sorten mit lockerer Blütenstruktur trocknen nach Regen deutlich schneller ab als extrem dichte, indica-dominante Blüten. Und früh reifende Sorten verlassen das Risikofenster, bevor es im Oktober richtig aufgeht.
Eine ausdrücklich hohe Schimmelresistenz gibt der Züchter in unserem Sortiment nur für zwei Sorten an: Brain Damage Autoflower und Tropical Cookies Double XL Autoflower, die laut Datenblatt beide sowohl warmes als auch kaltes Klima vertragen.
Wenn dein Standort feucht ist – Tallage, Nordseite, umgeben von Bäumen – ist eine Sorte mit Ernte Ende September der praktischste Schutz, etwa Blue Forest Berry und die Mighty Amstel Freezeland MAF Fast Version mit jeweils dritter Septemberwoche oder Frozen Cherry Runtz mit Ernte im September. Bei uns findest du diese Angabe in der Sortenbeschreibung jedes Hanfsamens.
Die Unterscheidung ist praktisch relevant, weil Mehltau die Ernte selten kostet, Botrytis aber schon.
Nein. Trocknen tötet die Sporen nicht ab, und befallenes Material bleibt gesundheitlich bedenklich. Botrytis-Sporen können bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen und Atemwegsbeschwerden auslösen. Befallenes Material wird entsorgt, nicht weiterverarbeitet.
Gegen echten Mehltau gibt es dafür eine gewisse Tradition, gegen Botrytis in der Blüte nicht. Der Pilz sitzt im Inneren der Blüte und wird von einer aufgesprühten Lösung gar nicht erreicht – die zusätzliche Feuchtigkeit verschlechtert die Lage sogar. In der Blütephase gilt: nicht sprühen.
Indoor kontrollierst du Luftfeuchte und Luftbewegung selbst, was das Risiko stark senkt – aber nur, wenn du es auch tust. Eine schlecht belüftete Growbox mit 70 Prozent Luftfeuchte in der Blüte ist gefährlicher als ein luftiger Außenstandort. Als Zielwert in der Blüte gelten rund 45 bis 55 Prozent relative Luftfeuchte.
Unter günstigen Bedingungen – anhaltend feucht, mild, windstill – kann eine große Blüte innerhalb weniger Tage vollständig befallen sein. Deshalb ist die tägliche Sichtkontrolle im Oktober keine Übervorsicht, sondern der eigentliche Schutz.
Der private Eigenanbau ist in Deutschland nach dem Konsumcannabisgesetz (KCanG) volljährigen Personen mit gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland gestattet, begrenzt auf drei blühende Pflanzen gleichzeitig am Wohnsitz. Die Pflanzen müssen vor dem Zugriff Dritter, insbesondere Minderjähriger, geschützt sein.
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